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Artikel aus der Stuttgarter Zeitung (Nr. 235) vom Dienstag, den 11. Oktober 2011, Seite Nr. V "Deep-Link"-Referenznummer '12164087' Leonberg & Umgebung

Das Psychedelische lebt wieder auf Heimsheim
Visionen und Träume verarbeitet Tobias Weinper zu Bildern in einer Ausstellung in der Stadtbücherei. Von Rainer Enke
Er ist der jüngste Künstler, der in der Reihe „Kunst in der Zehntscheune” in der Heimsheimer Stadtbücherei seit Sonntag 23.10.2011 ausstellt. 21 Jahre alt ist Tobias Weinper, Heimsheimer, der nach der Realschule hier in diesem Jahr sein Abitur in Pforzheim gemacht hat. Nun wird er sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe beginnen. Schon als er 15 Jahre alt war, entdeckten seine Kunstlehrer das malerische Talent, machten ihm Mut, seine Malerei weiter zu entwickeln und förderten ihn dabei.
Er selbst bezeichnet den Duktus seiner großen Leinwand- und kleineren Papierformate als „psychedelisch”. Zumindest einige der Großformate sind von ebensolcher Musik, etwa der Gruppe Iron Butterfly von Ende der Sechziger Jahre inspiriert. „In a gadda da vida” ist solch ein Titel, und so heißt auch das Bild. Ornamentik, Farbgebung, organische Formelemente, bewusst ungeordnete Konturverläufe und harte, eingesetzte „Bruchstücke” ergeben ein „Abbild” der Assoziationen von Tobias Weinper, passend zu diesem 17-Minuten-Stück.
Er scheint auf der Suche nach Interpretation zu sein, versucht auch metaphysische und philosophische Ansätze seiner Gedanken- und Traumwelten malerisch darzustellen. Wobei dies natürlich immer nur ein Ausschnitt eines viel tiefer gehenden Nachdenkens und Suchens sein kann. Es ist vielleicht eine Art „Schnappschuss”, der sich im Bild materialisiert. Jedenfalls legt Tobias Weinper seiner Fantasie und seinem Vorstellungsvermögen keinerlei Beschränkungen auf, und was in manchen Bildern beinahe aus ihm explosiv herausbrechen möchte, dem lässt er künstlerisch freien Lauf. Er genießt noch die „Freiheit der jungen Jahre”.
„Nichtstoffliches”, also Bruchstücke seiner Träume und vielleicht auch Alpträume, Visionäres und surreale Gebilde lässt Weinper in seine Bilder einfließen. Bilder von Pilzen oder Pilzbäumen zeigen in Farben und Formen eine recht unangenehme Präsenz. Eine Gruppe kommunizierender Köpfe könnte wie in einer durchscheinenden Plazenta gefangen gehalten werden.
Manches wirkt wie Unterwasserwelten, Organisch-Unheimliches, zum Schweigen verdammt, wie Mikroben etwa. Anderes stößt ins Universum vor, Kosmisches wird durch Meditation überdeutlich bunt und leuchtend visualisiert, Sternenwelten, Galaxien ziehen stumm vorüber. Doch auch „Durchblicke” durch fantasievolle, symmetrische Torbögen und Öffnungen gibt es. Sie zeigen den Weg zu etwas Anderem, Neuem, Gutem - vielleicht. Englische Zitate können dem Betrachter bei der Suche helfen. Spirituelle Energien scheint Tobias Weinper bildlich einfangen und weiter geben zu wollen. Es hängt vom Betrachter ab, ob dies gelingt.
Ausstellung Die Schau mit Bildern von Tobias Weinper wird noch bis Freitag, 18. November, in der Heimsheimer Stadtbücherei gezeigt. Mehr im Internet: www.biblio-heimsheim.de
© 2011 Stuttgarter ZeitungDas Psychedelische lebt wieder auf
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